Hong Kong

September 19, 2025
zwischen Skyline und Bergpanorama

Es ist immer etwas Besonderes, auf Reisen Menschen zu kennen, die vor Ort leben. Man bewegt sich anders durch eine Stadt, bekommt Einblicke in den Alltag – und bleibt nicht nur Beobachter. In unserem Fall führte uns der Weg nach Hongkong, wo Lenes Cousine aktuell lebt.

Mit großer Vorfreude stiegen wir nach einem langen, etwas anstrengenden Flug aus dem Flieger – nur um festzustellen, dass sich leider eine Erkältung ankündigte. Aber im Urlaub krank im Bett liegen? Das kann man auch zu Hause. Also traten wir etwas kürzer, ließen uns den ersten Abend aber nicht nehmen: Abendessen in einer leuchtenden, vibrierenden Metropole, gutes Essen und lange Gespräche – ein perfekter Start.

Wetter zwischen Taifun und Tropenklima

Unser Aufenthalt war wettertechnisch von einem vorbeiziehenden Taifun geprägt. Das bedeutete: viel Wind, immer wieder Regen – aber auch angenehm mildere Temperaturen. Gerade im Spätsommer oder Frühherbst kann Hongkong extrem schwül und heiß sein, sodass wir die „abgekühlte“ Version der Stadt fast als Luxus empfanden.

Stadt der Kontraste: Dichte trifft Natur

Was Hongkong architektonisch und städtebaulich so besonders macht, ist die extreme Dichte. Hochhausschluchten wohin das Auge reicht – und gleichzeitig grüne Hügel und Berge am Horizont. Rund 40 % der Fläche Hongkongs stehen tatsächlich unter Naturschutz, ein erstaunlicher Wert für eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Diese Kombination aus vertikaler Stadt und subtropischer Natur verleiht Hongkong seinen unverwechselbaren Charakter.

Ikonen auf Schienen und in Beton

Ein Wahrzeichen der Stadt sind die historischen Ding Ding-Straßenbahnen, die seit 1904 über die Nordseite von Hong Kong Island rollen. Zwischen modernen Glasfassaden und in die Jahre gekommenen Wohnhäusern wirken sie fast nostalgisch – und gleichzeitig völlig selbstverständlich. Überhaupt lebt Hongkong vom Nebeneinander: bröckelnde Fassaden neben perfekt polierten Bürokomplexen internationaler Banken, traditionelle Garküchen unterhalb futuristischer Wolkenkratzer.

Hong Kong Island und Kowloon – zwei Welten, eine Stadt

Das urbane Zentrum besteht im Wesentlichen aus Hong Kong Island und Kowloon, getrennt durch den Victoria Harbour. Unser Hotel lag auf der Inselseite, wo sich auch viele Restaurants, Bars und Sehenswürdigkeiten befinden.

Die Straßen hier sind geprägt von steilen Anstiegen, Treppen, engen Gassen – und einem der längsten überdachten Rolltreppensysteme der Welt, der Central–Mid-Levels Escalator. Man bewegt sich hier nicht nur horizontal, sondern ständig auch vertikal.

Wir verbrachten viel Zeit in Cafés, kleinen Restaurants, Malls und an To-Go-Ständen. Durch die familiäre Verbindung fühlten wir uns oft weniger wie klassische Touristen, sondern eher wie temporäre Bewohner – genau die Art des Reisens, die wir schätzen.

Kowloon – rauer, dichter, unmittelbarer

Auf der gegenüberliegenden Seite in Kowloon wirkt alles etwas unmittelbarer. Weniger Anzugträger, mehr kleine Läden, Händler und lokale Marken. Hier ist es quirliger, stellenweise auch etwas chaotischer – aber genau das macht den Reiz aus.

Straßenmärkte, Neonreklamen und dichter Verkehr vermitteln ein Bild, das viele mit Hongkong verbinden.

Victoria Peak – Perspektivwechsel

Ein Besuch am Victoria Peak durfte natürlich nicht fehlen. Von hier oben eröffnet sich einer der berühmtesten Skyline-Blicke der Welt: dichter Häusermix, Victoria Harbour, dahinter Kowloon – und bei klarer Sicht die grüne Berglandschaft, die die Stadt umgibt. Glücklicherweise spielte das Wetter mit, und wir wurden mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt.

Ein Abstecher nach Shenzhen – Grenzerfahrung

Einen Tag nutzten wir für einen Ausflug ins chinesische Festland, genauer gesagt nach Shenzhen. Die Zugfahrt selbst ist kurz – Hochgeschwindigkeitszüge verbinden Hongkong und Shenzhen in unter 20 Minuten.

Allerdings bleibt die formale Grenze bestehen: Auch nach den politischen Veränderungen der letzten Jahre ist Hongkong eine Sonderverwaltungszone mit eigenem Grenzregime. Ein- und Ausreiseformalitäten gehören also weiterhin dazu. Aus einer kurzen Strecke wird so schnell eine deutlich längere Reisezeit.

Im Zentrum von Shenzhen angekommen, waren wir überrascht: Es wirkte beinahe unheimlich ruhig. Breite Straßen, riesige Plätze – aber vergleichsweise wenige Menschen. Shenzhen ist eine noch sehr junge Metropole, die erst in den 1980er-Jahren zur Sonderwirtschaftszone erklärt wurde und seither explosionsartig gewachsen ist. Heute leben dort offiziell über 17 Millionen Menschen.

Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht an der Tageszeit – unser Eindruck war der einer Stadt, die groß dimensioniert geplant wurde und deren Weite im Kontrast zur extremen Dichte Hongkongs fast surreal wirkte. Für ein endgültiges Urteil reichen 3–4 Stunden natürlich nicht aus. Dennoch war es spannend, diese beiden urbanen Welten direkt miteinander vergleichen zu können.

Die Zeit in Hongkong hat sich absolut gelohnt. Die Mischung aus vertikaler Stadt, subtropischer Natur, kolonialer Geschichte und chinesischem Einfluss macht diesen Ort einzigartig.

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